Arbeiten und Leben im polnischen Partnerlandkreis Pszczyna

Im Rahmen des Partnerschaftsvereinbarung zwischen dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld und dem polnischen Powiat Pszczyna arbeiten derzeit vier Auszubildende zum/ zur Verwaltungsfachangestellten bis 23. September 2017 in der Partnerverwaltung Pszczyna.
Die Auszubildenden sind u.a. im Amt für Krisenmanagement und Zivilschutz, im kommunalen Jobcenter, im Bereich Bildung sowie in der Agentur für Tourismus eingesetzt und konnten den Kollegen vor Ort bei ihrer Arbeit über die Schultern schauen. Begleitet werden die Auszubildenden von Frau Bianca Laukat, zuständige Ansprechpartnerin für Europaangelegenheiten im Landkreis. Frau Laukat informiert sich während des Aufenthaltes im Amt für europäische Angelegenheiten über die Arbeit, insbesondere die Teilnahme des Powiat Pszczyna an europäischen Förderprogrammen.
Der Arbeitsbesuch soll Einblicke in die Struktur der polnischen Verwaltung, in die Arbeitsabläufe und Zuständigkeiten geben und bildet die Grundlage für den weiteren Ausbau der Zusammenarbeit beider Landkreise.
Durch die Kooperation mit dem kreisangehörigen Liceum (vgl. Gymnasium) erfolgt die Unterbringung aller TeilneherInnen in Gastfamilien.
Die Teilnehmer lernen jedoch nicht nur nicht nur das polnische Ausbildungs- und Arbeitsleben kennen. Die zahlreichen kulturell- touristischen Anziehungspunkte des Powiat Pszczyna sind Teil eines von den polnischen Kollegen und Partnern geplanten Besuchsprogrammes. Zu den Höhepunkten zählte bislang zweifelsfrei die Radtour rund um Pszczyna. Für morgen ist der Besuch des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau geplant.
Aber auch die Vorstellung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld und des dualen Ausbildungssystems im Rahmen einer Deutschstunde im Liceum am gestrigen Nachmittag werden nachhaltig in Erinnerung bleiben. Hierbei wurden die Unterschiede zwischen dem deutschen und polnischen Schul- und Ausbildungssystem deutlich, insbesondere auch die eigene Ausbildung zum/ zur Verwaltungsfachangestellten. Im polnischen Ausbildungssystem wird z.B. keine vergleichbare Ausbildung angeboten. Für die Arbeit in einer Verwaltung ist in der Regel ein Licencjat- oder Magisterabschluss (vgl. Bachelor- oder Masterabschluss) notwendig. Ganz anders auch, dass das Bildungssystem in Polen größtenteils zentralisiert ist und eine "6" die beste Schulnote ist.
Die Zusammenarbeit mit den polnischen Kollegen in der Verwaltung ist geprägt von einer großen Herzlichkeit. Pawel Sadza, Landrat der Powiat Pszczyna, begrüßte persönlich die Gäste aus Anhalt-Bitterfeld und machte sie während des Aufenthaltes mit den Kollegen der Verwaltung bekannt. Man spürte vom ersten Moment die Bedeutung des Besuches für unsere polnischen Gastgeber. So war es bereits nach zwei Arbeitstagen eine Selbstverständlichkeit, sich für weitere Azubi- und Mitarbeiteraustausche zu verabreden.
Selbst die Verständigung stellt nicht wirklich ein Problem da. Ob Englisch, Deutsch oder Polnisch, notfalls mit Händen und Füßen - die Gesprächspartner finden immer einen Weg, die Informationen auszutauschen und zu diskutieren. Im Übrigen beginnen Kollegen der polnischen Verwaltung ab Oktober mit einem Deutschkurs. Zweimal wöchentlich werden über einen externen Anbieter die Grundlagen der deutschen Sprache vermittelt. Somit steht nichts im Wege, sich zukünftig auch ohne Übersetzer verständigen zu können.
Aber auch die TeilnehmerInnen dieses ersten Austauschprojektes, welches vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk und beiden Landkreisen mitfinanziert wurde, lernten in den wenigen Tagen schon einige polnische Vokabeln.
Einzig das Wetter spielt nicht wirklich mit. Der Regenschirm ist der wichtigste Begleiter. So muss das Besuchsprogramm am Nachmittag ständig an das Wetter angepasst werden; leider fiel die geplante Wanderung in den Beskiden sprichwörtlich ins Wasser.
Schon jetzt kann gesagt werden, dass der Austausch eine Zeit der fruchtbaren Zusammenarbeit ist.
Beide Seiten können viel voneinander lernen und alle Teilnehmer sind sich sicher, dass die vielfältigen Erfahrungen , die Ausbildung der Azubis sowie die Arbeit in der Verwaltung nachhaltig beeinflussen werden.